weil unsere Jugendliche alle nach der Ausbildung gehen. Wir haben es echt schwer als Gemeinde eine gute Jugendarbeit zu machen... Das höre ich oft, wenn ich mit Leuten rede. Ich komme gerade von einer Tour durch Franken und da habe ich auch wieder mit Leuten über dieses Thema gesprochen. Ich frage mich: Stimmt das wirklich? Ich sage Nein. Ist doch logisch, dass Jugendliche nach dem Abi oder der Lehre oder der Schule gehen. Vielen wollen doch mal von zu Hause weg und eine Horizonterweiterung erleben. Und natürlich werden sie sich nicht brav ihrer Denomination/Konfession in der neuen Stadt anschließen, wenn die Gemeinde dort altbacken ist. Ich glaube es gehen von jeder Generation mehr Leute weg, als dass sie bleiben. So habe ich das bist jetzt in den meißten Gemeinden erlebt. Das kann also keine Ausrede für eine nicht gut durchgeführte Jugendarbeit sein und ist kein Grund zu klagen, denn es ist NORMAL. Normalerweilse erleben Gemeinden dann wieder irgendwann einen Zuzug von jungen Familien. Die Personen tauschen sich aus. Sie kommen dann auch aus anderen Denominationen und es ist ihnen egal, in welcher Gemeindeform sie jetzt sind. Hauptsache es ist eine lebendige Gemeinde. Was denkt ihr, werte Leser?
Kommentare
Ich sehe da - wie kann es anders sein - wieder mehrere Ebenen.
Zum einen sehe ich Jugendarbeit als einen Durchlauferhitzer: Jugendliche kommen, werden durch eine gute Arbeit geprägt, herausgefordert, motiviert und gehen als leidenschaftliche Mitarbeiter im Reich Gottes aus der Arbeit an den Ort, an dem Gott sie gebrauchen kann. Selbst so große Jugendarbeiten wie die der EFG Wiedenest hat mit dem Fakt "Abwanderung von fitten und motivierten Mitarbeitern" zu tun und fängt immer wieder von vorn an. Es ist also ein Stück normal, dass Jugendliche nicht (bzw nicht mehr wie zB in den neuen Bundesländern vor der Wende noch sehr viel stärker) an dem Ort bleiben, an dem sie aufgewachsen sind. Das bringt unsere Zeit mit sich. Bei einem Durchlauferhitzer bliebt das Wasser ja auch nicht ewig in den Leitungen.
Andererseits ist die Lösung sicher nicht einfach ein Konzept, das man erklärt und das dann o-wunderbarerweise einfach so funktioniert und Leute hält. Auch unser Netzwerk hat da (noch)seine Grenzen. Das erlebe ich in Ostdeutschland als besondere Herausforederung. Da brechen nicht nur Jugendliche, sondern ganze Generationen weg. Das kann man nicht einfach so "beherrschen". Da muss man vielleicht auf noch ganz andere Gedanken kommen: Geht es, dass Jugendarbeiten der Stadt/Gegend zusammen stattfinden, um ein größeres Potential zu haben? Kann man es als Vorteil sehen, dass eine kleine Jugend eine hochflexible Gruppe ist, die viel stärker am Einzelnen arbeiten kann? Es geht ja nicht allein und zuerst um Größe und Umfang, sondern um geistliches Wachstum.
Ich glaube, da stehen wir erst am Anfang dessen, was Not tut. Ich glaube, dass wir teilweise noch weiter denken müssen als einfach nur auf die einzelne Gruppe/Gemeinde bezogen.
Und ich glaube, dass es in manchen Gegenden aus geschichtlichen und geistlichen Gründen heraus schwieriger ist, eine gute Jugendarbeit aufzubauen als in anderen. Diese Ebene haben wir noch lange nicht ausreichend beachtet.
Wie gesagt, mehrere Ebenen...
Ich schließe mich der hervorragenden Meinung meines versierten Vorredners an. So sehe ich das auch. Dito und dakore
Wie hab ich das Zitat zu verstehen? Dass es sich nicht lohnt gescheite Jugendarbeit zu machen, weil die Leute irgendwann abhauen?
Das ist in der Tat ziemlich kurzsichtig. Ist im Prinzip ähnlich mit der Mission, den Missionaren. Was haben wir davon? Gemeinde Jesu ist doch mehr als die Freie-Evangelische-Christen-Baptisten-Brüder-Mennoniten-Gemeinde in Hintertupfingen!!!
Komische Denke. Wer im Reich Gottes nur an sein/e Gemeinde, Geldbörse ... denkt kann eigentlich gleich einpacken.
Lieber Veit, liebe Blog-Leser,
also da ich ja selbst auch aus dem schönen Frankeland komme und ich mich bisher nicht mit dir darüber unterhalten habe, möchte ich hier einmal meinen Senf dazu abgeben.
Bei uns ist es wirklich so - jedenfalls in unserem Landkreis - das überproportional viele Leute wegziehen. In den vergangenen 6 Jahren (!) sind von 86000 Einwohner 13000 weggezogen (!!!). Das ist mehr als unserer Kreisstadt Wunsiedel Einwohner hat.
Aus diesem Grund erkennt man auch, dass natürlich Kinder fehlende, da der Altersdurchschnitt auch drastische über dem Bundesdurchschnitt liegt. Zitat von Biowiki: "Der Altersdurchschnitt der Selber Bevölkerung ist wesentlich höher als im deutschen Durchschnitt, da junge Leute das perspektivenarme Selb meist früh verlassen."
Das ist ein Problem das sich auch negativ auf die Jugendarbeit im Raum Franken insbesondere Hochfranken auswirkt.
Aber ich denke, dass gerade darin auch die Chance für uns als Jugendarbeit steckt. Denn, warum ziehen junge Menschen weg? Es fehlt eine Perspektive!
Diese kann unter anderem durch eine gute Jugendarbeit gegeben werden. Wir in Selb und Thiersheim musste einen Kraftakt vollbringen um unsere Jugendarbeit zum laufen zu bringen. Wir können zwar nicht von einer Erweckung sprechen, aber von einem gutem Angebot, dass auch gerne genutzt wird.
Natürlich ist es auch schwierig einen stetigen Mitarbeiterkreis aufzubauen und so haben wir nach 7 Jahren Jugendarbeit den Mitarbeiterkreis zum Jahresende einmal komplett gewechselt. Kein Mitarbeiter ist dann mehr dabei, der auch mit gestartet hat. Als kleine Empfehlung würde ich persönlich geben, dass die Leitung bei älteren Leuten (30+) liegt. Dies mag vielleicht im ersten Moment zu alt wirken, doch fahren wir damit sehr gut, weil diese Leute meist bereits an ihrer Existenz vor Ort bauen und diese auch nicht so schnell aufgeben. Das Mitarbeiterteam wird um diese Person gebaut und auch immer wieder gewechselt. Ein Austausch des Leiters aus Altersgründen kann dann zwar auch Probleme bringen, muss aber nicht zwangsläufig wenn man dieses Wechsel weitsichtig vorplant und vorbereitet.
So, jetzt hab ich schon ganz schön viel geschrieben und deshalb hör ich auch auf.
Bis bald
Joachim
Hi Leute,
danke für die ersten Kommentare. Das Zitat ist so zu verstehen, dass Leute eher frustriert wirken. Nicht unbedingt als Entschuldigung für schlechte Jugendarbeit. Als D-Typ mag ich so ein denken aber nicht.
Es ist ein Problem, also muss man es lösen oder beherrschen. Und darf sich nicht vom Frust auffressen lassen. Mich stört das Jammern über Dinge die einfach sind, wie sie sind.
Genauso oft höre ich: bei uns wechseln immer die Mitarbeiter. Genau. Das ist ja überall so. Wir machen Jugendarbeit und die ist dynamisch, Leute kommen und gehen... damit muss man leben und das hat ja auch Vorteile (man bleibt innovativ). Den Ansatz von Joachim finde ich interessant, dass man ältere Leiter hat die Kontinuität waren. Dafür müssen diese aber auch flexibel sein. Das ist nicht immer gegegeben. In Thiersheim schon.
Veit, ich kann deine Gedanken nachvollziehen - find aber hier die konkrete Anwendung auf die Gemeindearbeit schwierig.
Mal aus meiner bisherigen Erfahrung heraus:
Ich glaub, dass die Dynamik des Wechsels manchen Jugenmitarbeitern ziemlich zu schaffen macht. Gerade wenn man sich als Team eingespielt hat und nun eine Lücke da ist, die man nicht so leicht füllen kann... Einfach weil keine Leute da sind...
Gerade wenn es eher kleinere Gemeinden sind - vielleicht auch noch nicht besonders attraktiv nach außen hin, dann kommt man schon schnell in Zugzwang.
"Krise - woher kriegen wir Mitarbeiter? Woher sollen neue Jugendliche kommen? Wie werden wir attraktiver nach außen hin?"
Das man das Problem lösen, berherrschen und die Vorteile der eigenen Situation anpacken sollte ist klar - und voll wünschenswert...
Aber manchmal denk ich mir, dass sich erst die ganze Gemeinde verändern müsste, bevor es wirklich dauerhafte und vor allem gemeindeintegrierte Jugend geben kann.
Ich kenn eine "gemeindliche" Jugendarbeit, die voll super läuft aber sich total "neben" der eigentlichen Gemeinde entwickelt.
Anderseits gibt es auch ne Jugend, die sich mit einem Teil der Gemeinde zusammen voll den Arsch aufreißt - während manche sich gar nicht drum kümmern - und es scheint, als ob das Ganze überhaupt nicht fruchtet...
Gruß
Daniel
...komm mal in den tiefen Osten ... in wirklich kleine Gemeinden (so mit ca. 35-50 Mitgliedern) ... da kannst Du sehen wie problematisch Abwanderung ist. Wer Arbeiten will, der muss hier weggehen, es bleiben nur wenige zurück, auf denen dann meist alles lastet.
@ Achim: Ja sicher ist das so. Ich komme ganz schön rum in Deutschland und komme selber aus einer kleinen Gemeinde im Ruhrpott, die 50 Mitglieder hatte und eine Arbeitslosigkeit die auch in MecPom mithalten könnte. Aber da hilft doch nicht das meckern. Da müssen Konzepte her. Und wir müssen nach außen gehen, damit wir nicht nur durch unseren Geburtenzugang wachsen. Weil der weg ist. Die andere Frage die ich mir stelle und dich ich auch in unserem Werk Wiedenest gestellt habe: Es gibt doch zig Unternehmer im christlichen Bereich. Da muss doch einer eine zündende Idee haben um Arbeitsplätze in strukturschwachen Gebieten zu schaffen.
Oder ist das alles eben ein Zeitphänomen. Vökerwanderungen hat es schon immer gegeben und so ist das Christentum nach Deutschland gekommen... kein leichtes Thema
@Daniel: Wechsel von Mitarbeitern ist echt nicht leicht zu verkraften. Konstant, zumindest bei einem oder zweien oder den Leiter, wie Jo meint ist absolut zu begrüßen. Gleichzeitig hilft hier auch nicht die einfache frustrierte Tatsachenbeschreibung (damit meine ich jetzt nicht dich). Das muss uns doch dazu bringen Leute zu fördern und ranzubilden, damit eine neue Generation, von mir aus schon mit 18, den Laden weiterführt.
Ich glaub Daniel war nicht mein Bruder... :)
Aber es ist vollkommen richtig was Du - Veit - hier sagst. Es darf für uns kein Alibi sein, dass wir meinen zu wenig Mitarbeiterzu haben. Auch sollte Abanderung keine De- sondern Motivation sein. Was ich auch prinzipiell empfehlen kann ist die Vernetzung von Jugendgruppen regional. Wir haben vor allem auf Allianzeben sehr gute Erfahrungen gemacht und können so gemeinsam große Aktionen starten. Das motiviert auch. Einfach mal über den Tellerrand hinausschauen und so mit einem größerem "Gaben-Pool" Events starten, die man als Jugendgruppe alleine nicht hinbekommen würde - oder selbiges denkt.
Ein anderer Punkt für solche Gemeinden soltte natürlich auch Fortbildung sein. Ich mach jetzt auch mal für Veit und inAktion Werbung. Nachdem ich und zwei weitere Mitarbeiter vor 4 Jahren einen Kurs in Wiedenest besucht haben, reformierte sich unsere Jugendarbeit grundlegend. Man bekommt einfach ganz neue Impulse was man aus vorhandenem machen kann. Es müssen noch nicht einmal Vorträge sein, sondern nur der Austausch mit anderen Mitarbeitern aus anderen Gruppen. Auch das gemeinschaftliche problemlösende Denken ist eine wunderbare Sache. Ich denke einer der wichtigsten Punkte in einer funktionierenden Jugendarbeit ist das gute Verhältnis zwischen den Mitarbeitern. Wenn dieses stimmt, ist auch ein Verlust eines Mitarbeiters - auch wenn dieser sehr schmerzlich sein kann - zu überwinden. Ich kann das von unserem Team bisher jedenfalls behaupten.