Gedanken zur Jugendarbeit in traditionellen Freikirchen 1 - Großstädte

Es ist völlig normal, dass Jugendliche die in Städten und Dörfern wohnen, wo es keine Uni gibt, irgendwann in eine coole Uni-Stadt wechseln. Für Leute, die auch gerne mal von zu Hause weg wollen, kann das auch die Ausbildung sein, die man einfach mal woanders macht oder das FSJ oder der Zivildienst.
Weil das so ist, gibt es immer einige Gemeinden, die eher Leute abgeben als bekommen. Sie sind eine Art Durchlauferhitzer im Rahmen der christlichen Jugendarbeit. Sie bekommen Teenager und Jugendliche zwischen 14-20 anvertraut und haben die Chance sie zu prägen und zu fördern. Leider wird das teilweise nicht besonders gut gemacht. Aber es gibt sehr viel gute Jugendgruppen.
Dummerweise ist es jetzt so, dass im Rahmen der traditionellen Freikirchen, die ich so überblicke (Baptisten, Freie Gemeinden und Brüdergemeinden im Bund und außerhalb des Bundes) gerade in Großstädten wenig attraktive Gemeinden zu finden sind. Mit attraktiv meine ich, dass es Gemeinden sind, die eine Vision für ihre Stadt haben, sich auf Studenten und generell auf neue und auch junge Leute einstellen, ihnen einen Rahmen des Auftankens, des Mitarbeitens geben und sie Willkommen heißen. Das heißt auch, dass die Formen der Gemeinden nicht irgendwo 1980 stecken geblieben sind. Also sind die Gottesdienst auch gestalterich attraktiv, inhaltlich sowieso. Ich rede jetzt aber nicht von Jugendkirchen.



IBCM

Seit drei Tagen läuft hier in Wiedenest die 4. Internationale Konferenz der Brüderbewegung für Mission. Es sind Leute aus sage und schreibe 80 Ländern hier. Das ist der Hammer. Tschad, Kenia, Australien, USA, Färoer Inseln, UK... voll bunt und es gibt echt coole Begegnungen. Man hat den Eindruck, dass auf der ganzen Welt die Gemeinden wachsen - nur nicht bei uns. Das ist einerseits inspirierend und anderseits zeigt es mir wie weit wir in Deutschland mittlerweile weg vom Schuss sind. Auf der Internetseite der Nairobi Chapel in Kenia steht unter Gebetsanliegen für diese Konferenz: Pray for Germany. There are only 4% evangelical or charismatic Christians and the church is widely perceived as irrelevant and is marginalized. That the nation can be the spiritual hub it once was. Pray especially for the youth. Most of the remaining Christians are in the older age bracket. Ask the Lord to bring a revival, even through the witness of our Pastors and other people from Africa. aus www.nairobichapel.org So sieht es aus. Das denken die dynamischen Christen in Afrika über uns. Daneben stellt man fest, dass es die unterschiedlichsten Arten von Brüdergemeinden weltweit gibt (brethren movement). In manchen Gemeinden geht es voll ab - movement eben. Woanders hat man den Eindruck geht nicht so viel. Auf jeden Fall knüpfen wir hier eine Menge Kontakte und einige coole Leute werden sicher von uns als Redner für die Pfijuko eingeladen. Damit die Leute wissen, was wir Jumis in good old germany machen, haben wir mal unsere Arbeit in Englisch dargestellt. Hier kannst du es runterladen.



Kann eine Jugendgruppe eine Gemeinde von unten reformieren?

Das ist die Frage, die ich mir schon zig mal gestellt habe, denn das wäre mein Ziel, sofern das für eine Gemeinde nötig ist. Leider habe ich den Eindruck, dass viele Gemeinden die ich kenne diese Reformation dringend benötigen. Aber hat die Jugendgruppe da eine Chance? Kann sie von unten eine Reformation starten? Bei allem was ich erlebe kommt es einfach auf die Gemeindeleitung an. Der Fisch fängt vom Kopp an zu stinken. Sagt man im Ruhrpott, wo ich ja herkomme. Eine gute Gemeindeleitung wird eine gute Jugendarbeit fördern wollen. Eine gute innovative Jugendarbeit und eine gute Gemeindeleitung ergänzen sich und spornen sich gegenseitig an. Aber eine gute Jugendarbeit und eine schlechte Gemeindeleitung?



Bei uns ist es sehr schwierig...

weil unsere Jugendliche alle nach der Ausbildung gehen. Wir haben es echt schwer als Gemeinde eine gute Jugendarbeit zu machen... Das höre ich oft, wenn ich mit Leuten rede. Ich komme gerade von einer Tour durch Franken und da habe ich auch wieder mit Leuten über dieses Thema gesprochen. Ich frage mich: Stimmt das wirklich? Ich sage Nein. Ist doch logisch, dass Jugendliche nach dem Abi oder der Lehre oder der Schule gehen. Vielen wollen doch mal von zu Hause weg und eine Horizonterweiterung erleben. Und natürlich werden sie sich nicht brav ihrer Denomination/Konfession in der neuen Stadt anschließen, wenn die Gemeinde dort altbacken ist. Ich glaube es gehen von jeder Generation mehr Leute weg, als dass sie bleiben. So habe ich das bist jetzt in den meißten Gemeinden erlebt. Das kann also keine Ausrede für eine nicht gut durchgeführte Jugendarbeit sein und ist kein Grund zu klagen, denn es ist NORMAL. Normalerweilse erleben Gemeinden dann wieder irgendwann einen Zuzug von jungen Familien. Die Personen tauschen sich aus. Sie kommen dann auch aus anderen Denominationen und es ist ihnen egal, in welcher Gemeindeform sie jetzt sind. Hauptsache es ist eine lebendige Gemeinde. Was denkt ihr, werte Leser?

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